AG Kulturtheorie

 

Gründungstext

Weder im öffentlichen noch im linken Diskurs spielt die Geschichte der Kunst im Sozialismus heute eine große Rolle. Von den bürgerlichen Medien werden Kunstwerke aus der Sowjetunion oder der DDR meist einfach mit Verweis auf deren propagandistische Funktion abgestempelt, welche nicht ins bürgerliche Ideal einer von politischem und gesellschaftlichem Einfluss abgehobenen und höchstens idealistisch engagierten Kunst passt.

Tatsächlich gab es während der ganzen Geschichte des Sozialismus eine Debatte über die Ausrichtung und gesellschaftliche Aufgabe der Kunst, in der verschiedene Positionen aufeinandertrafen und in der sich die sozialistische Kunst historisch entwickelte. Als AG sehen wir unsere Aufgabe zunächst darin, die Entwicklung und die Theoriegeschichte der Kunst in den sozialistischen Ländern bekannt zu machen. Über die Frage, wie Kunstpolitik in einem sozialistischen Staat aussehen sollte, wurde in der DDR und den anderen sozialistischen Ländern sehr konkret nachgedacht und aus diesen Erfahrungen wollen wir für die Zukunft lernen. Es geht dabei nicht um die Überhöhung einer bestimmten historischen Situation zu einem universellen Ideal, sondern darum, herauszufinden, wie wir uns heute als Kommunist:innen auf unsere eigene Geschichte beziehen können – woran wir anknüpfen wollen, wo wir rückblickend Kritik üben können und wie eine sozialistische Kunstpolitik heute in Deutschland aussehen könnte.

Was ist die „sozialistische Klassik“ von Peter Hacks? Welche Rolle spielte der Konflikt mit den Avantgarde-Bewegungen in der Sowjetunion der 30er Jahre? Welche Bedeutung hat die Kunst heute in Kuba? Das sind einige Fragen, mit denen wir uns beschäftigen wollen. Schließlich wollen wir die Masse an gelungenen Kunstwerken aus den Bereichen Film, Musik, Literatur und bildender Kunst vorstellen, die heute vom westlichen Kanon größtenteils ignoriert werden. Ronald M. Schernikau schrieb am Beispiel Irmtraud Morgners über die DDR-Literatur:

„Das sind hervorragende Bücher, weil sie eine Zuversicht ausstrahlen, die es in der Westliteratur nicht gibt. Das ist eine Vorstellung, die Westautoren vollkommen fremd ist.“

Die Fähigkeit, sich eine über bloßen Individualismus hinausgehende gesellschaftliche Utopie vorzustellen, ist eines der durchgängig zu findenden Motive sozialistischer Kunst. In einer Epoche, für die der westliche Literaturkritiker Fredric Jameson einst festgestellt hat, es sei „leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus“, sind sie außerdem Beispiele, dass eine andere Welt möglich ist und schon mal existiert hat. In einer kapitalistischen Kultur, in der die Verwertungslogik zum einzigen Kriterium zur Bewertung von Kunstwerken wird, spiegelt sich auch in der Kunst der Legitimitätsverlust der herrschenden Ordnung wider. Der Kampf um die Zukunft wird also nicht nur auf der politischen, sondern auch auf der künstlerischen Ebene stattfinden.

 

Nächstes Treffen

Unser nächstes Treffen wird über die Social Media Kanäle des BAKs beworben – folge uns dort einfach und wir informieren dich!

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