Barbados, für viele ein Wort, dass sie zum ersten Mal hören und andere vor allem als ein historisches Zentrum des angelsächsischen Sklavenhandels kennen. Nach fast 30 Jahren ist es nach Mauritius die nächste ehemalige Kolonie, die sich von der englischen Krone löst und sich als eine Republik konstituiert. Ein wichtiger Schritt, denn das britische Königshaus ist nicht neutral oder machtlos, wie es in der Verfassungskrise Australiens von 1975 zeigte. Der Stellvertreter der Queen, der Generalgouverneur, konnte mit ihrer Billigung den links-demokratischen Premier der Australischen Labour Party Gough Whitlam sowie das Parlament absetzen und ein Regime zugunsten konservativ-reaktionärer Kräfte unter Malcolm Fraser der Liberalen Partei an die Macht bringen. Auch hat die Queen, als entfernte Monarchin, keinen Bezug zu den Bewohner*Innen von Barbados. Sie kennt ihre Nöte und Sorgen nicht. Die Bevölkerung war mit jedem Jahr mehr und mehr gegen den Fortbestand des veralteten Zustands. Die Entscheidung aber fiel nicht, wie versprochen, durch ein Plebiszit, sondern im Parlament. Wer die Tragikomödie des Brexits verfolgte, mag das vielleicht begrüßen – Aber übersieht den Klassencharakter, den diese Entscheidung mit sich trug.

 

In der Feier zeigte sich zweischneidige Schwert des Parlamentsbeschlusses: Forderungen nach Reparationen über die Jahrhunderte der Ungerechtigkeit und Sklaverei wurden unterbunden, damit Prince Charles wortstark die Übel der Sklaverei verurteilten konnte. Nicht einmal eine Entschuldigung über die Verwicklungen des Herrscherhauses in diese Geschäfte konnte er aufbringen. Diese Farce wurde von der bürgerlichen Presse als rührend dargestellt. Auch die Königin Englands war hocherfreut über die Anwesenheit ihres Abkömmlings. Vom Klassenstandpunkt und anti-rassistischen Standpunkt aus zeigte die Zeremonie jedoch die tiefe Verwicklung zwischen den Kollaborateuren und den britischen Herrschern. Entgegen der sinophoben Panikmache einiger britischer Minister, dass Barbados nunmehr in die Einflusssphäre Chinas rutsche, ist die herrschende kapitalistische Klasse Barbados’ also sehr wohl noch an Beziehungen zu England interessiert, für die sie auch bereit ist Dissens innerhalb ihres Landes verstummen zu lassen. Die Menschen von Barbados, die weder reich noch weiß sind, habe eine weniger rosige Perspektive.

 

“Struggles for Black people have always sustained before there was a pandemic or republic transition if those disappear tomorrow, we still have the issues with our youth, our young men getting locked away and sent to prison, domestic violence and impoverished communities. That doesn’t change and it’s even worse for us now,”

 

Bemerkte eine der Personen, die den Protest versuchten. Für sie hat sich nichts verändert; es beherrscht sie immer noch eine weiße Minderheit als Überbleibsel der Kolonialzeit. Sie sind 2.5 Prozent der Bevölkerung aber besitzen das meiste Land.

Und nicht nur innerhalb des Landes finden sich die zahlreichen Kontinuitäten in der Ausbeutung. Der IWF kontrolliert die Politik des Landes, denn nur durch neoliberales Todsparen werden Darlehen gewährt, die in der Pandemie mehr denn je benötigt werden. An Bildung, Sozialhilfe und Infrastruktur wird gesägt, während Auswanderung, Arbeitslosigkeit und Klimawandel zunehmend eskalieren. So ist die Insel mit eskalierenden Hurrikanen, Küstenschwund und Dürren konfrontiert. Der demokratische Wille dagegen etwas zu tun ist effektiv irrelevant, denn er widerspricht den Interessen westlicher Kapitalist*Innen. Was kümmert es sie, dass Barbados untergeht? Sie leben dort nicht und Kapital im 21 Jahrhundert ist höchst liquide. Barbados ist formal unabhängig- Aber die Macht des Kapitalismus hält es faktisch in Ketten und wird erst loslassen, wenn der Kapitalismus dort überworfen wird oder die Insel für westliche Kapitalist*innen unprofitabel wird.

Die Entwicklung zur Republik ist gut und wünschenswert und stärkt den Einfluss der arbeitenden Klasse gegenüber dem Imperialismus klein aber merkbar – aber sie darf nicht das letzte Wort bleiben oder sein.

 

 

https://www.theweek.co.uk/news/world-news/americas/954991/what-next-for-barbados-as-it-becomes-a-republic

https://www.theweek.co.uk/108166/barbados-plan-to-drop-queen-driven-by-chinese-interference
https://www.jacobinmag.com/2021/12/barbados-neocolonialism-republic-british-empire-self-governance