Viele große Männer und Frauen brachte die Geschichte hervor, so viel ist sicher. Viele Namen fallen uns direkt ein, aus dem Geschichtsunterricht, aus den Zeitungen aus dem Fernsehen. Namen wie  Robespierre, Napoleon, George Washington oder Winston Churchill kennen alle von uns. Sie werden, nicht ohne Kritik, als große Männer der Geschichte behandelt. Weniger als große Männer betrachtet werden hingegen gerade diejenigen, die repräsentativ stehen für Errungenschaften, von denen nicht nur kleine Teile der Bevölkerung profitierten, sondern die Unterdrückten, die Massen. Auch sie kennen wir zu genüge aus den Publikationen bürgerlicher Propaganda oder dem „neutralen“ Geschichtsunterricht. Zu dieser Kategorie zählt ohne Diskussion Fidel Castro. Als Diktator verschrien in den Publikationen der bürgerlichen Presse, als Held gefeiert von den Kubaner*innen sowie den fortschrittlichen Kräften aller Welt. Vor ziemlich genau 5 Jahren verstarb mit Fidel Castro einer dieser „großen Männer“ der Geschichte und doch dürfen wir nicht bei dieser Darstellung stehen bleiben.
Als historische Materialist*innen ist für uns klar, dass maßgeblich die materiellen, historisch-kulturellen, auf den Punkt gebracht: alle vorgefundenen gesellschaftlichen Umstände einer Zeit entscheidend sind. Fidel Castro konnte Fidel Castro werden, weil er Kuba vorfand, wie es war. Gleichzeitig war Fidel ein Revolutionär, der auch auf individueller Ebene Leistungen vollbrachte, seien es taktische während der Revolution oder politische als späterer Staatschef Kubas, der selbst in schweren Zeiten das kubanische Volk zusammenhalten konnte. Die Strahlkraft Fidels lässt sich also von zwei Seiten aus erklären, einmal aus seiner Persönlichkeit, einmal aus der Politik, die er vertrat bzw. die Bewegung, die er maßgeblich als Staats- und Parteichef Kubas bzw. der Partido Comunista de Cuba repräsentierte. Diese beiden Seiten widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich. Wenn Fidel vollbärtig und in seiner Guerilla-Uniform als Staatsgast in den USA erscheint und gewitzte Kommentare absetzt, dann erscheinen in diesem Auftreten zum einen Fidels bewusstes Provozieren, aber auch gleichzeitig der „Zeitgeist“ Kubas: Widerstand gegen die und Unabhängigkeit von den USA. Das kubanische Volk wurde von verschiedenen Großmächten beherrscht, da waren einmal für sehr lange Zeit die Spanier, die nicht nur die Arawak vollständig vernichteten, sondern auch ihre kolonialen Ansprüche geltend machten; und folgend auf die Spanier für etwas mehr als ein halbes Jahrhundert die USA. Das kubanische Volk strebte nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Dass sich das nur durch den Sozialismus effektiv umsetzen kann, das wurde allen schnell klar. In einer gewissen Hinsicht vereinigt sich in Fidels persönlicher Entwicklung auch die Entwicklung, die im kubanischen Volk vorging. Forderte man zu Beginn in erster Linie die Unabhängigkeit und Demokratie, so war man dann, in dem Moment der praktischen Umsetzung dieser beiden Forderungen zur Erkenntnis gelangt, dass dies ohne eine Revolution, die bis zu den 
Eigentumsverhältnissen fortschreitet, nicht möglich ist. Wie kein anderer stand und kämpfte Fidel Castro für die Umsetzung sozialistischer Ideale, wie kein anderer setzte er sich unter der extremen Bedrohung, jederzeit von der CIA ermordet werden zu können, für die Rechte der Kubanerinnen und Kubaner sowie allen Unterdrückten auf dieser Welt ein. Auch mit seinen Differenzen mit der späteren Sowjetunion ging er im Interesse seines Volkes offen um. Sei es die Raketenkrise, deren Lösung ohne Einbezug Kubas stattfand und wo man sich zurückgeworfen sah in alte Muster, in denen zwei Großmächte über die Köpfe der Kubaner*innen entschieden. Auf diesen Vorfall folgte ein sehr langer Besuch Fidels in der Sowjetunion, von dem man annehmen kann, dass er sein Ärgernis über diesen Vorfall nicht gerade versteckt hat. Auch als man dem angolanischen Befreiungskampf solidarisch militärisch, medizinisch und mit Lehrer*innen zur Seite stand, agierte man unabhängig, teilweise sogar unter Ablehnung von der UdSSR.
So viel zur eher „nationalpolitischen“ Bedeutung Fidel Castros. Doch das Zeichen, die Bewegung, für die er stand, hatte selbstverständlich weltweite Auswirkungen, gerade und besonders in Lateinamerika. Als Hinterhof der USA, im Prinzip beherrscht von den USA, in diesem Hinterhof kam es dazu, dass eine kleine Insel sich frei machte von der Hegemonie. Die kriegerische Reaktion der USA auf diese Revolution hat neben den ökonomischen noch ganz andere Gründe. Zurecht erkannte man, dass hier die Hegemonialmacht der USA systematisch in Frage gestellt und angegriffen wurde. Die Revolution und Unabhängigkeit Kubas war, ist und wird nicht abgeschlossen in Kuba. Der Bezug auf Jose Marti und Simon Bolivar zeigt ganz klar die lateinamerikanische Perspektive dieser Revolution. Selbstverständlich wird eine Insel mit 11 Millionen Einwohnern und kaum entwickelter Industrie nicht allein die führende militärische und (noch) ökonomische Weltmacht bezwingen können. Von Beginn an unterstützte man Unabhängigkeitsbewegungen in Lateinamerika, jedoch auch in Afrika (Algerien, Angola, Südafrika) oder in Asien (Vietnam). Und hier beginnen wir nun über die weltgeschichtliche Bedeutung eines Fidel Castro zu reden und sie anzuerkennen. Der Südteil des Doppelkontinents wird bis heute dominiert von den USA. Die breiten Massen in Lateinamerika haben wenig, eigentlich keine politische Macht. In Lateinamerika wurde Kuba zum Vorbild. Nicht, weil alle Verhältnisse dort so übertragbar sind, bspw. spielte die indigene Frage in Kuba so gut wie keine Rolle, wie wir wissen wurden die Indigenen vollständig von der spanischen Kolonialmacht vernichtet. Mit Kuba emanzipierte sich erstmalig erfolgreich ein Land von der US-Hegemonie, von Kapitalherrschaft. Sie machte vor, was im Interesse der Massen Lateinamerikas ist. Und das quasi direkt um die Ecke! Es kommt nicht von ungefähr, dass eigentlich sämtliche Versuche der Emanzipation in Lateinamerika nach 1959 sich in irgendeiner Weise auf die kubanische Bewegung beziehen. An der Spitze dieser Bewegung stand für mehr als 50 Jahre Fidel Castro. Sie wurde durch ihn geprägt, genauso wie sie ihn prägte. Fidel, das kann man ohne Übertreibung behaupten, war lange Zeit ein Gesicht der Bewegung zur Befreiung Lateinamerikas. Weltgeschichtlich steht Fidel in einer Reihe mit all denen großen Figuren, die für die Befreiung der Unterdrückten schrieben und kämpften, er steht damit auch in der Reihe derjenigen Persönlichkeiten, für die unglaubliche Mittel angewandt wurden und werden, um sie zu diskreditieren. Fidel wird weiterleben, es muss stets an ihn und seinen Kampf erinnert werden. Weniger oder kaum ihm zuliebe, sondern viel eher wegen des Kampfes den er exemplarisch führte: dem Kampf gegen den Imperialismus und für den Sozialismus.
Viva Fidel! 
Viva cuba socialista!