Als AG Lateinamerika beschäftigen wir uns neben historischen sowie allgemeinen Themen auch immer mit der aktuellen Entwicklungen in der Region.
Heute wollen wir deshalb einen Blick auf Haiti werfen, wo aktuell nach monatelangen Großdemonstrationen der Präsidenten Jovenel Moïse von einer Söldnergruppe ermordet wurde.
Ein Blick auf Haiti ist hierbei auch immer auch ein Blick auf die Folgen des Imperialismus der USA in Lateinamerika. Seit der ersten US-Amerikanischen Besatzung 1915 gab es auf Haiti mehr als 30 Jahre US-Truppen im Land, 40 Jahre regierte ein durch die USA unterstützter Familienclan, ein gewählter Präsident wurde von US-Truppen entführt. Die in diesen Jahrzehnten entstandene Armut, Gewalt und Korruption hat Haiti zu einem der wirtschaftlich schwächsten Staaten der Welt werden lassen.
Gewalt und Korruption sind auch zwei der ersten Worte, die man mit der Amtszeit vom am 7.7. ermordeten Präsidenten Jovenel Moïse in Verbindung bringt. Schon seine Wahl 2017 war von massiven Betrugsvorwürfen begleitet, in seiner Amtszeit wurden mehrfach Staatsgelder veruntreut und seinen eigenen Unternehmen zugespielt, teilweise auch das Geld von den dringend benötigten Infrastrukturprojekten. 
2019 sagte Moïse dann die Wahlen für sein eigenes Amt und für das Parlament ab, was zum einen zu Großdemonstrationen gegen ihn führte, zum anderen auch eine Alleinherrschaft des Präsidenten bedeutete da das Parlament seitdem aufgrund der haitianischen Verfassung keine Beschlussfähigkeit mehr herstellen kann.  
Seitdem Moïse Anfang dieses Jahres erklärte, dass es einen Putchversuch gegen ihn gab und viele Personen aus der Justiz festgenommen wurden, kam es erneut zu Großdemonstrationen. Diese richteten sich gegen den Präsidenten und den Ausbau seiner Macht, aber auch gegen den Einfluss von den USA auf innerhaitianische Angelegenheiten. Infolgedessen kam es zu Ausschreitungen mit der Polizei, bei der über 40 Menschen starben.
Die westlichen Medien ignorieren diese Entwicklungen fast komplett, da Demonstrationen gegen eine Regierung in Lateinamerika für viele Medien anscheinend nur eine Meldung wert sind, wenn sie in Staaten mit sozialistischen Systemen passieren.
Gleichzeitig werden bis Ende des Jahres für Privatpersonen Einfuhrzölle aufgehoben, um Lebensmittel oder Medikamente zu kaufen; auch wird die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln über das Libreta-System zunächst erweitert.
Am 7.7. wurde Jovenel Moïse also durch kolumbianische Söldner getötet, die Drahtzieher sind laut einigen Berichten in die USA ausgewanderte Haitianer. Der von der Opposition befürchtete Weg in eine Diktatur unter Moïse ist dadurch nun abgewendet, die Zukunft des Landes aber unklar, da schon die direkte Nachfolge des toten Präsidenten umstritten ist. Aktuell beanspruchen gleich drei Personen auf Haiti die Präsidentschaft für sich. Auch eine Einmischung von außen könnte für Haiti wieder eine Rolle spielen, US-Präsident Joe Biden sprach im Laufe der Woche wage davon, dass US-Truppen auf der Insel in diesem Moment nicht auf der Agenda ständen, ließ sich die Option für die Zukunft aber offen. Es gibt mehr als genug Beispiele, wie sehr der Versuch von US-Regierungen, mit militärischen Eingriffen zu einer weiteren Verschlechterung der Lage beitragen können, grade in Lateinamerika. Für uns ist daher klar, dass ein Kampf für die Befreiung des Proletariats grade in Lateinamerika auch als Kampf gegen den Imperialismus geführt werden muss.