Wer ist Roman Protasewitsch?

Wie die EU einen Faschisten zur Galionsfigur der Belarusischen Opposition macht

Erneut richtet sich der Fokus auf den belarussischen Präsidenten Lukaschenko. Denn er ist es gewesen, der vergangene Woche eine durch den belarussischen Luftraum geflogene
Ryanairmaschine stoppte, um den darin reisenden Roman Protassewitsch verhaften zu können.
Was auch geschah. Seitdem war beinahe allen politischen Lagern die Forderung nach Freiheit für Roman Protassewitsch zu entnehmen. Denn er gilt als Schlüsselfigur in dem von Konservativen bis Liberalen ersehnten Regimechange in Belarus. Doch anders als es den Unterstützern der belarussischen „Demokratiebewegung“ womöglich lieb ist, handelt es sich bei Roman Protassewitsch nicht um den harmlosen Vorzeigeoppositionellen, sondern vielmehr um einen organisierten Neonazi.

Schon relativ bald wurden im Zuge der sogenannten Euro-Maidan Proteste klar, dass die politisch organisierten Kräfte im Kampf gegen das alte politische Establishment alles andere als edle Ziele vertreten. Unkommentiert lieferten sämtliche Nachrichtensender Bilder von den Camps. Für alle Welt sind währenddessen die Fahnen der Organisationen wie z.B. des Rechten Sektors oder der Partei Swoboda zu sehen gewesen. Die als pro-europäisch und demokratisch deklarierten Proteste entpuppten sich alsbald als gefährliches Unternehmen organisierter Neonazis, die ihre Ziele mit aller Gewalt durchsetzten. Das ging von Verprüglungen bis hin zu gezielten Ermordungen, wie zum Beispiel beim Überfall auf das Gewerkschaftshaus in Odessa 2014. An denProtesten beteiligte sich auch Roman Protassewitsch. Auf einem Bild der Maidan-Proteste 2013/2014 posierte er im Zuge antikommunistischer Bilderstürme mit der inoffiziellen Flagge Belarus neben einer zerstörten Lenin-Statue. Die weiß-rot-weiße Fahne war übrigens das Erkennungszeichen der Nazi-Kollaborateure während des Vernichtungsfeldzugs Deutschlands gegen die die Sowjetunion. Verschiedene „Fakten-Checks“ behaupten, dass diese Flagge im allgemeinen ein Symbol belarussischen Nationalstolz und schon seit dem 19. Jahrhundert im Gebrauch sei. Jedoch kann sich die Bedeutung von Symbolen im Verlauf der Zeit ändern. So hat die Flagge des Kaiserreichs und der Weimarer Republik in Deutschland inzwischen auch eine klare rechtsextreme Bedeutung.
 

2. Modebewuster Neonazi

Selfies neben einer zerstörten Lenin-Statue sind nicht die einzigen Bilder, welche in seiner
Facebook-Seite zu finden waren. Andere Bilder z.B. zeigen Roman Protassewitsch in einem T-Shirt des ukrainischen Nazi-Mode-Labels Svastone. Dieses Mode-Label unterstützt sowohl die neonazistische Organisation Rechter Sektor als auch die Neonazi-Miliz Azov, die in der Ostukraine Menschen terrorisiert, foltert und tötet. Das Hauptmotiv des Shirts setzt sich aus mehreren ineinander verwobenen Hakenkreuzen zusammen.

 3. Azov-Battailon

Roman Protassewitsch leistet nicht nur durch das Tragen von Svastone-Shirts seinen Beitrag zum bestehen des rechtsterroristischen Azov-Battailon (das nebenbei bemerkt auch massive Unterstützung durch den ukrainischen Staat erhält). Er beteiligte sich darin auch direkt. Dies zeigen Bilder einer im Jahr 2015 stattgefundenen Militärparade zur Feier der sogenannten „Befreiung von Mariupol“, auf denen er in kompletter Kampfmontur zu sehen ist. Damit nicht
genug, ließ er sich für das offizielle Magazin der Neonazi-Miliz in der gleichen Uniform samt
Sturmgewehr ablichten. Die Bilder allein sind es aber nicht, die seine Aktivität in der Miliz
bestätigen, auch der Kommandant des Azov-Bataillons Andrij Bilezkyj bestätigte bereits
schriftlich, dass Roman Protassewitschs an Kampfhandlungen im Dombass beteiligt gewesen
war, in denen er sogar verletzt wurde. Über diese Verletzungen sprach ein betroffener Kämpfer mit dem Rufnamen Kim in einem Interview mit „Radio Free Europe“. Recherchen zufolge soll es sich bei dem Kämpfer um Roman Protassewitsch handeln. Dies wurde deutlich, nachdem zu dem von „Radio Free Europe“ unkenntlich gemachten Foto ein mögliches Original auftauchte, das Protassewitisch bewaffnet und in Uniform zeigt. Zu diesem Indiz gesellt sich ein weiteres Interview mit dem Vater Roman Protassewitschs, in dem er von einer Verletzung seines Sohnes berichtete, die er sich in jenen Kampfhandlungen zuzog, über die auch „Radio Free Europe“ berichtete.

Roman Protassewitsch kämpfte also für jene eindeutig neonazistische Organisation die neben der eindeutig neonazistischen, rassistischen und antisemitischen Ideologie durch schwerwiegende  Menschenrechtsverletzungen wie Entführungen, Folter und Mord bekannt sind.

Bei Roman Protassewitsch handelt es sich um einen gut vernetzten und organisierten Neonazi. Seine weitrecheinde Vernetzung und seine Eingliederung in das Azov Bataillon stellt daher die Frage in den Raum, wie weit sich die Netzwerke der Neonazis über die Protestbewegung in Belarus erstrecken und ob es im Falle eines durch den Westen mitgetragenen und mitorganisierten  Regimechange zu einer gleichen Katastrophe wie in der Ukraine kommt:

Dass die Neonazistische und Faschistische Internationale eine weitere Heimstätte findet und sich fest in einem weiteren Staat verankert, in dem sie mittels der zur Verfügung stehenden politischen und militärischen Macht ihre menschenfeindlichen Ziele durchsetzen kann.

Einige Websites und Nachrichtenportale versuchen, die Kritik an Protassewitsch als willigen oder ahnungslosen Teil einer russischen Desinformationskampagne darzustellen. Besonders auffällig war dieser Versuch, unbequeme linke Quellen als chauvinistisch oder in einem unkritischen anti-Imperialismus verhaftet darzustellen: http://euromaidanpress.com/2021/05/26/protasevich-is-a-dissident-not-a-neo-nazi/
Die Autorin verteidigt im nächsten Atemzug des Azov Battailon, dessen Verbrechen und Gesinnung gut dokumentiert sind, als normale nationalistische Einheit. Linke Autor:innen dann als „problematisch“ oder „unseriös“ abzufertigen, ist bezeichnend scheinheilig.

 

Wir unterstützen international Linke und Demokratische Opposition. Zu benennen, dass offene Nationalsozialisten jetzt von der EU und den USA als Helden gefeiert werden, soll nicht als Unterstützung für Lukaschenko oder Putin verstanden werden. Aber diejenigen, die das EU-Aufnahme-Verfahren für Belarus gar nicht abwarten können, sollten sich überlegen, mit wem zusammen sie gerade klatschen.