Die Lehren der Kommune für die UdSSR

Vor 150 Jahren wurde der erste Sozialistische Arbeiter*innenstaat brutal niedergeschlagen, trotzdem setzte dieser erste Versuch den Grundstein für folgende Revolutionen. Vor allem auch Lenin nahm Bezug auf die Commune, wie zum Beispiel in einer seiner bekanntesten Schriften ‚Staat und Revolution. 
Besonders der Aspekt der Demokratie wurde immer wieder aufgegriffen: 

 

„Der sozialistische Charakter des Sowjetdemokratismus, das heißt des proletarischen Demokratismus in seiner konkreten, gegebenen Anwendung, besteht erstens darin, daß die werktätigen und ausgebeuteten Massen die Wähler sind, während die Bourgeoisie ausgeschlossen ist; zweitens darin, daß alle bürokratischen Formalitäten und Beschränkungen der Wahlen wegfallen und die Massen die Wahlordnung und Wahltermine selbst festsetzen, bei völliger Freiheit der  der Abberufung der Gewählten“ (Lenin, Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht)
Das in der Pariser Kommune erprobte Vorgehen, nicht nur die Wählbarkeit, sondern auch die Abwählbarkeit der Gewählten für alle Bürger:innen garantieren fand in Russland eigentlich bereits vor der Oktoberrevolution Anwendung. Die Sowjets in der Zeit der Doppelherrschaft waren Ausdruck dieses neuen Demokratismus. Nach dem zweiten Sowjetkongress wurden die Sowjets die alleinige Form der Machtausübung.
Diese vollkommene Wählbarkeit und Absetzbarkeit aller Amtspersonen zeigt dass der vorher zerschlagene Staat nun von einer Bürgerlichen Demokratie zu einer proletarischen Demokratie verwandelt wurde. Im Falle der Commune war das ein ‚Umschlagens von Quantität in Qualität‘. 
Der vorher zerschlagene Staat (Staat als Mittel der Unterdrückung einer Klasse), wird in etwas verwandelt was eigentlich gar keiner mehr ist. Trotzdem bleibt es immer noch wichtig, der Bourgeoisie Widerstand zu leisten. Was Lenin auch besonders beim Vorgehen der Commune kritisiert. Er sieht die Ursache für ihren Niedergang darin, dass sie nicht enschlossen genug gegen die Bourgeosie Widerstand geleistet haben. Trotzdem ist  das unterdrückende Organ hier schon die Mehrheit, bestehend aus dem Proletariat und nicht, wie es sonst in vergangenen Systemen, ob nun Sklaverei, der Leibeigenschaft oder der Lohnsklaverei der Fall war, die Minderheit der Bevölkerung.
Dabei stellt Lenin weiter fest: „Der Bourgeoisie das Wahlrecht zu entziehen ist […] kein unbedingtes und notweniges Kennzeichen der Diktatur des Proletariats.“  (Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky) Sondern eine Besonderheit, die sich im Laufe des Kampfes in Russland herausgebildet hat.
Aufgrund der Beteiligung der Bourgeoisie am Kornilowputsch und des Kampfes gegen die Sowjets konnte die Demokratie nur gegen und durch den Ausschluss der Bourgeoisie und ihrer Vertreter aus den Sowjets erkämpft werden.

Wenn den Ausbeutern nach einjähriger „Praxis“ der Sowjets das Stimmrecht durch die Sowjets entzogen worden ist, so bedeutet das, dass diese Sowjets wirklich Organisationen der unterdrückten Massen sind und keine Organisationen der Sozial-Imperialisten und Sozialpazifisten, die sich der Bourgeoisie verkauft haben. Wenn diese Sowjets den Ausbeutern das Stimmrecht entzogen haben, so bedeutet das, dass die Sowjets keine Organe des kleinbürgerlichen Paktierens mit den Kapitalisten, keine Organe des parlamentarischen Geschwätzes (der Kautsky, Longuet und Macdonald), sondern Organe des wirklich revolutionären Proletariats sind, das einen Kampf auf Tod und Leben gegen die Ausbeuter führt.“ (ebd.)
Hier zeigt sich, was die Funktion des sozialistischen Staates ist, wie Lenin ihn bereits in Form der Kommune charakterisierte: Die Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit (der Ausbeuter) abzusichern. Sowjetrussland erreichte das durch den Entzug des Wahlrechts für die Bourgeoisie. 
Die russische Revolution geht über die Erfahrungen der Kommune hinaus, denn im Gegensatz zu den Pariser ArbeiterInnen fand das russische Proletariat in den Sowjets, die bereits vor der Oktoberrevolution existierten, einen Apparat, der sich eignete, als Staatsapparat der Diktatur des Proletariats zu dienen. „Die Pariser Proletarier hatten keinen Apparat, und das Land verstand sie nicht. Wir dagegen fanden sofort eine Stütze in der Sowjetmacht“ (Lenin, Aus dem Bericht über die Tätigkeit des Rates der Volkskommissare auf dem III. Allrussischen Sowjetkongress)
Die von Lenin bereits oben erwähnte „Praxis“ der Sowjets machte später Realtität mit der „freiwilligen Verschmelzung der Kommunen“ (Staat und Revolution), indem aus den einzelnen Sowjets zunächst Sowjetrepubliken (Russland, Ukraine, etc) und dann aus diesen die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken entstand. Die UdSSR beinhaltete 16 Sowjetrepubliken, gegründet auf dem Recht der Völker auf Selbstbestimmung.
 
Auch durch die Lehren der Commune, welche die Bolshewiki gezogen hatten, hatte das Ergebnis der Oktoberrevolution rund 70 Jahre und nicht nur 72 Tage bestand. Sie haben uns gezeigt, dass die Herrschaft der Arbeiterklasse, ein System welches nicht auf Ausbeutung beruht möglich ist.
deshalb sagen wir auch noch 150 Jahre später: Viva la Commune!