Einen Begriff von der Geschichte zu erarbeiten, ist nicht nur gute sozialistische Tradition, es ist auch eine Notwendigkeit, um in der Gegenwart vernünftig zu handeln. Gleichzeitig befinden wir uns 2020 begrifflich auf einem Nullpunkt: Wie wir vom Druck des kommunistischen Manifests, der Pariser Commune über die Oktoberrevolution, die Niederschlagung des Spartakusaufstandes, dem Zerfall der Sowjetunion und des realsozialistischen Staatenblocks bis hierhin gekommen sind, ist uns in unserer Bewegung nur fragmentiert bekannt. Das gilt es zu beheben. Unsere Aufgabe als Bundesarbeitskreis wird es sein, Licht ins Dunkel zu bringen, aus der Geschichte, wie sie uns gar nicht oder nur vereinzelt, oder im schlimmsten Fall durchdie Brille der herrschenden Klasse, bekannt ist, einen Zusammenhang herzustellen, um aus den Leistungen und Fehlern vergangener Kommunist:innen Handlungsanleitungen für die Zukunft zu entwickeln.

 

 

Dabei wollen wir insbesondere darauf eingehen, die Geschichte des  Realsozialismus, der realen sozialistischen Erfolge, von einem proletarischen Standpunkt zu untersuchen. Mit einer Erklärung, dass dieser am Sozialismus selbst gescheitert sei, geben wir uns nicht zufrieden. Um es mit den Worten Hans Heinz Holz‘ zu sagen: „Aber als Kommunist will ich wissen, ob ich die Vergangenheit der kommunistischen Bewegung als Ballast abwerfen muss oder mich in die Kontinuität einer Linie stellen kann, die von Marx und Engels über Lenin und Luxemburg und Gramsci und eben auch über Stalin und Mao bis in die Gegenwart reicht.

 

 

Ich kann aus der Geschichte nicht die positiven Rosinen eines heldenhaften, opferbereiten Kampfes herauspicken und die dunklen Seiten, die faktisch auch dazu gehören, ausblenden; dann würde ich letzten Endes die ganze Geschichte preisgeben. Als historischer Materialist will ich wissen, wie es in einer Bewegung, die angetreten ist, das Menschenrecht zu erkämpfen, dazu kommen konnte, dass dieser Maßstab verletzt wurde; welche objektiven Widersprüche dahin führten, statt die kleinbürgerlichen Jammertiraden über Stalins ‚Intoleranz, Brutalität, Machtmissbrauch‘ ‚bei seiner launenhaften und despotischen Neigung‘ (Chrustschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU) vorgesetzt zu bekommen.“

 

 

An der Einlösung dieser Aufgabe wollen wir im BAK arbeiten. Gemeinsam mit unseren inhaltlichen Zielen wird ein großer Fokus darauf liegen, Basismitglieder zur eigenständigen theoretischen Arbeit anzuleiten und dabei zu fordern und zu fördern. Ein starker sozialistischer Verband benötigt eine lebendige und informierte Debatte, um diese konsequent von unten führen zu können ist es deshalb nötig eine Kultur zu schaffen, in der jede:r die Möglichkeit, das Wissen und das Vertrauen in sich selbst und den eigenen sozialistischen Standpunkt hat, um die eigenen Gedanken publizieren zu können.